über Silke Amberg und ihr Krimidebüt „Kopflos. Carmen Mangolds erster Fall“

Die Kommissarin mit dem Tanktop
Anna Wegelin
(In: PROZ. Programmzeitung Basel, September 26, S. 30-31)
Ein Gespräch mit der Autorin Silke Amberg über ihren ersten Krimi «Kopflos. Carmen Mangolds erster Fall», der in Basel spielt und den Sexismus in der Gesellschaft thematisiert.
Da steht sie also beim Kollegiengebäude der Uni am Petersplatz, einem der fiktiven Tatorte. «Ich bin Autorin, wohne seit vielen Jahren in Basel und Ende Juni ist mein dritter Roman erschienen, mein erster Krimi», stellt sich Silke Amberg vor. In all ihren Büchern gehe es um «psychologische Spannung und emotionale Tiefe», versehen «mit einer sozialkritischen Komponente», erzählt die 51-jährige Gymnasiallehrerin, die auch als Slam-Poetin unterwegs war.
«Kopflos», ihr Krimi-Debüt, spielt in Basel und ist der erste Fall mit der 33-jährigen Kommissarin Carmen Mangold, die am liebsten ein schwarzes Tanktop trägt. Carmen leitet das Dezernat für Gewaltdelikte bei der Kriminalpolizei Basel und soll die inszenierten Morde an zwei brillanten wie erfolgreichen Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft aufklären, einer Matheprofessorin und einer Pharmaforscherin. Bei der Kripo muss sie sich gegen Sexismus in der Arbeitswelt wehren, und privat hadert sie mit der Trennung von ihrer Partnerin. Zudem lastet eine alte, schmerzvolle Geschichte auf ihrer Seele – ein leitmotivischer Faden im Buch, das die Autorin ihrer Schwester widmet. «Carmen ist leidenschaftlich und voller Leben», sagt die Autorin über ihre Krimiheldin. «Sie ist spannend, weil sie widersprüchlich ist, mega tough und total verletzlich.»
Es laufe noch immer sehr viel «schief» in Bezug auf die Stellung der Frauen in Polizei und Gesellschaft, sagt die Autorin zur Sozialkritik im Kriminalroman. «Die weiblichen Bedürfnisse kommen zu kurz, und das ist nicht gerecht.» Auf die Frage, ob «Kopflos» ein feministischer Krimi sei, erwidert sie: «Ja, auf jeden Fall.» Gleichzeitig betont sie, dass dieser Begriff «immer wieder verkürzt wahrgenommen und falsch verstanden wird». Ausserdem wolle sie Carmens Lesbischsein «als etwas Lebendiges zeigen» und sie nicht als eine «arme, leidende Person in ihrem Coming-out» darstellen: «Queere Personen sollen natürlich sichtbar sein in der Gesellschaft.»
Kurzer, prägnanter Stil
2021 eröffnete Amberg die Ja-Kampagne zur parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» mit ihrem Slam «Nein, ich will nicht – ja, ich will» im Schützenmattpark in Basel. «Aktuell trete ich nicht mehr als Slammerin auf, weil ich mich entscheiden musste, wie ich meine Zeit manage», erzählt sie. Aber ob Slam oder Roman: «Ich hab ja sowieso diesen kurzen und prägnanten Stil, eine sehr persönliche Perspektive und den gesellschaftskritischen Blick.»
Amberg ist Mitglied des Netzwerks «Mörderische Schwestern Schweiz», die das Format «Ladies Crime Night» veranstalten. Krimischreiben sei zwar pickelharte Arbeit, meint die Autorin, aber beim Schreiben könne sie «ein unglaubliches Glücksgefühl» empfinden. Und so schreibt sie schon längst am zweiten Fall mit Mangold, denn: «So eine wie Carmen will ich nicht mehr loslassen.» ■